Kommunismus – Über das Kapitel „Feuerbach“ in Marx/Engels: „Die Deutsche Ideologie“

Vorbemerkung: Dieser Text bezieht sich auf Marx/Engels: Kapitel „Feuerbach“ in: Dies.: Die Deutsche Ideologie. Marx-Engels-Werke Bd. 2. Oder online und hier: http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_017.htm#I_I))

Der Spruch „Die Idee ist gut, aber die Welt noch nicht bereit“ ist ein sehr verbreitetes Urteil über „den Kommunismus“ mit dem man nicht nur sagt, dass man sich da auskennt, sondern sogar so viel Ahnung hat, dass man ein letztgültiges Urteil fällen kann. Ich würde die These wagen, er resultiert entweder aus mangelnder Kenntnis der Materie oder aus einer sehr feinsinnigen, kenntnisreichen aber böswilligen Abneigung gegen Mars/Engels. Die erste Variante ist vermutlich die häufigere und die zweite hält den Gegnern Marxscher Theoriebildung immerhin eine große Kenntnis zugute. Wenn die Wärterin am Himmelstor Antikommunistin1 sein wollte, werde ich ihr diese Einleitung unters Näschen halten!

Wenn ich das erste Kapitel aus „Die deutsche Ideologie“ richtig verstanden habe, dann wäre zunächst schon mal die Behauptung, „ der Kommunismus“ sei eine Erfindung der beiden Autoren, völlig unsinnig. Genauer formuliert: Die Vorstellung es handele sich beim Kommunismus um die Idee zweier genialer (oder das Gegenteil – je nach Standpunkt) Autoren, die man nun „umsetzen“ müsste oder sollte. Das widerspricht völlig der materialistischen Geschichtsauffassung die Marx und Engels2 im genannten Werk ausbreiten. Den Grundgedanken in Kürze würde ich so zusammenfassen: Es wird die Auffassung kritisiert, „große Ideen“ würden eine Lebenspraxis hervorbringen. Also wenn man große Theoretiker/Ideologen/Kleriker so liest, als wären sie Urheber der Gesellschaft, deren Prinzipien sie beschrieben. Eine schwächere Lesart, die aber genauso falsch ist, wäre: Die großen Geistern geben allgemeine Prinzipien, Vorstellungen wieder, nach denen eine Gesellschaft gestaltet ist, ohne deren Urheber zu sein. Die Gefahr ist quasi, dass man darauf „hereinfällt“ was die „großen Geister“ so beschreiben, für die Wirklichkeit, die Praxis, das Leben zu halten.

Nicht, dass all das Geschriebene und Gedachte wertlos wäre. Gerade weil solche Texte und Ideen nicht aus dem Nichts kommen können – und auch nicht aus „genialen Geistern“, wie manche Kunsttheoretikerinnen sich das denken – kann man sie als Dokumente ihrer Zeit auffassen, aber nicht als Baupläne, sondern als Effekte der realen sozialen und ökonomischen Lebenspraxis.3 Man erkennt schon: die Formulierungen in „Die Deutsche Ideologie“ sind weit weniger ökonomistisch, als man Marx/Engels im Allgemeinen einschätzen würde. Es geht Marx und Engels nicht nur um Produktionsmodi sondern um die „Verkehrsformen“ der Menschen schlechthin. Ich würde diese Formulierung mal als „Gesellschaftsformation“ lesen, die auch und wesentlich ökonomische Verhältnisse umfasst, aber nicht nur. Man beachte die Dynamik die in der Begriffswahl steckt – ich komme darauf zurück. Dazu passt, dass Marx/Engels als Differenzierungstheoretiker auf eine Vielzahl miteinander verwobener Differenzachsen eingehen und bei weitem nicht nur den berühmten Klassenantagonismus. Relativ früh findet sich beispielsweise bereits eine polemische Formulierung zum auseinandertreten von Stadt und Land.4

Marx/Engels pointieren ihre Geschichtsauffassung bekanntlich in der berühmten Formel: „Nicht das Bewußtsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewußtsein.“5 Wenn mich jemand fragen würde: „was ist materialistische Geschichtsauffassung?“ – ich würde antworten: „Ein Synonym für (gute) Soziologie.“

Man muss keine Marxistin oder Kommunistin sein, um die materialistische Geschichtsauffassung grundsätzlich zu akzeptieren. Man kann sogar politisch aus einer ganz anderen Ecke kommen, um der Auffassung zuzustimmen, dass die „Verkehrsformen“ einer Gesellschaft nicht aus dem guten oder schlechten Willen ihrer Mitglieder entspringen, sondern aus den materialen Verhältnissen. Wer sich so äußert wird wohl recht schnell als Esoterikerin verdächtigt. Und womit? Mit Recht.

Und was ist jetzt mit Kommunismus?

Was ist dann aber „der Kommunismus“? Kann ich auch nicht genau sagen. Aber im Sinne von Marx/Engels jedenfalls keine „Idee“, wie wir gesehen haben. Vielleicht haben sich Marx/Engels das Wort ausgedacht, kann sein, aber allein daraus resultiert ja noch keine gesellschaftliche Praxis. Der Kommunismus ist eine

„Bewegung“, die „[sich] unterscheidet […] von allen bisherigen Bewegungen dadurch, daß er die Grundlage aller bisherigen Produktions- und Verkehrsverhältnisse umwälzt und alle naturwüchsigen Voraussetzungen zum ersten Mal mit Bewußtsein als Geschöpfe der bisherigen Menschen behandelt, ihrer Naturwüchsigkeit entkleidet und der Macht der vereinigten Individuen unterwirft.“ (Ebd., S. 29)

Also quasi der Zustand denn die kritisierten „Ideologen“ immer schon unterstellt haben: die bewusste Kontrolle über vormals sich unkontrolliert vollziehende Prozesse. Als inhaltliche Aussage ist das vielen vielleicht zu dürftig, eine genaue Handlungsanweisung kann man hieraus nicht ablesen, nur: Umwälzung! Aber das ist ja nur konsequent: Denn es kann sich ja nur eine aus der Praxis entspringende Form – besser: Bewegung – handeln. Einen Weg. Gerade deshalb ist die Formulierung von Gesine Lötzsch „Wege zum Kommunismus“6 auch irgendwie unbehaglich – gemessen am Text von Marx/Engels. Denn sie unterstellt, dass „der Kommunismus“ ein Zustand wäre, denn man „erreichen“ müsste. Das widerspricht auch der Formulierung von Marx/Engels von der „Bewegung“. Ich glaube, darauf muss ich eingehen: Man darf dieses Wort, glaube ich, nicht als „soziale Bewegung“ im Sinne gar von einer Partei o.Ä. missverstehen. Es geht hier um – ich würde es so interpretieren – eine reale „Gesellschaftsform in Bewegung“. Wenn es nicht so platt klingen würde, würde ich sagen: der Weg ist das Ziel. Zum besseren Verständnis: Meine Auffassung, dass es hier um Dynamik und nicht Zustand geht, resultiert aus einer Bemerkung, welche die Autoren vorher machen, wenn sie von der „Produktion des Lebens“7 sprechen. Die materielle Produktion des Lebens und seine Reproduktion sind ein „ongoing accomplishment“ auf der materiellen Ebene.

Und deshalb tut der Spruch von der „Idee, für die die Menschheit nicht bereit“ wäre, Marxisten weh. Nicht wegen der Behauptung, dass die Menschheit nicht bereit wäre. Sondern wegen der Behauptung, es handle sich hier um eine „Idee“.


Einige stilistische Bemerkungen

Ich glaube es ist der große Fehler vieler am Marxismus interessierter, erst mal zum Hauptwerk „Das Kapital“ zu greifen. Frustration stellt sich selbst bei theoriegeübten Leserinnen recht schnell ein. Zu ökonomisch und mathematisch schon die ersten Kapitel. „Die deutsche Ideologie“ dagegen ist ein ausgesprochen soziologischer Text, der entsprechend seiner theoretischen Setzung sehr stark empirische geschichtliche Sachverhalte beschreibt und analysiert. Daher die hohe Plausibilität. Die Autoren tun etwas in ihrem Stil, was man allzu oft nicht so antrifft: Sie setzen ihre eigenen Vorgaben konsequent um, indem sie historische „Bewegungen“ nachzeichnen, anstatt Begriffsgeschichte oder Ähnliches zu betreiben. Das andere ist der hohe Unterhaltungswert. Engels war ja nicht an akademische Konventionen gebunden und konnte sich deshalb einen unakademischen Stil erlauben. Die deutsche Ideologie ist ja eine Polemik gegen die „Idealisten“ die es nicht raffen.

Und weiter?
Jetzt würde sich eine interessante theretische Fortentwicklung anschließen lassen. Nämlich die Frage nach der postmodernen Kultur und ihrer angeschlossenen „Verkehrsform“. Fredric Jameson hat das sehr beeindruckend ausgearbeitet und ich glaube er hat dabei das Grundprinzip der materialistischen Geschichtsauffassung beherzigt. Kulturwissenschaftlich interessant ist ja gerade die Parallelisierung von kulturellen Erscheinungsformen und sozioökonomischer Ordnung. Ich geh ganz bald mal drauf ein. Erinnertm ich dran.

  1. Ich verwende generisches Femininum. Ab jetzt immer. Get used to it! []
  2. Ich glaube übrigens dass das betreffende Kapitel hauptsächlich von Engels verfasst wurde. Die Anmerkungen meiner Ausgabe des Dietz Verlages weisen auf Bemerkungen hin, die Marx an den Rand geschrieben hat. Insofern halte ich Engels für den soziologischeren der beiden Autoren. Ich erklär gleich noch wieso. []
  3. Das ist m.E. die marxistische Basis für eine Kulturanalyse. Dazu später. Oder auch: ein andermal. []
  4. „Die größte Teilung der materiellen und geistigen Arbeit ist die Trennung von Stadt und Land. Der Gegensatz zwischen Stadt und Land fängt an mit dem Übergange aus der Barbarei in die Zivilisation, aus dem Stammwesen in den Staat, aus der Lokalität in die Nation, und zieht sich durch die ganze Geschichte der Zivilisation bis auf den heutigen Tag (die Anti-Corn-Law League) hindurch. – Mit der Stadt ist zugleich die Notwendigkeit der Administration, der Polizei, der Steuern usw., kurz des Gemeindewesens und damit der Politik überhaupt gegeben. Hier zeigte sich zuerst die Teilung der Bevölkerung in zwei große Klassen, die direkt auf der Teilung der Arbeit und den Produktionsinstrumenten beruht. Die Stadt ist bereits die Tatsache der Konzentration der Bevölkerung, der Produktionsinstrumente, des Kapitals, der Genüsse, der Bedürfnisse, während das Land gerade die entgegengesetzte Tatsache, die Isolierung und Vereinzelung, zur Anschauung bringt. Der Gegensatz zwischen Stadt und Land kann nur innerhalb des Privateigentums existieren. Er ist der krasseste Ausdruck der Subsumtion des Individuums unter die Teilung der Arbeit, unter eine bestimmte, ihm aufgezwungene Tätigkeit, eine Subsumtion, die den Einen zum bornierten Stadttier, den Andern zum bornierten Landtier macht und den Gegensatz der Interessen Beider täglich neu erzeugt.“ Marx/Engels, MEW 3, S. 50 []
  5. Ebd.,S. 27 []
  6. Man möge mir verzeihen, ich beziehe mich wirklich nur auf die Überschrift von Lötzschs Text, vielleicht steht im Text noch was anderes. Ich schau später nach. []
  7. „Die Produktion des Lebens, sowohl des eignen in der Arbeit wie des fremden in der Zeugung, erscheint nun schon sogleich als ein doppeltes Verhältnis – einerseits als natürliches, andrerseits als gesellschaftliches Verhältnis -, gesellschaftlich in dem Sinne, als hierunter das Zusammenwirken mehrerer Individuen, gleichviel unter welchen Bedingungen, auf welche Weise und zu welchem Zweck, verstanden wird.“ Ebd. S. 29-30 []

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Aufruf zur sozialdemokratischen Revolution

Wer wenn nicht ausgewählte Vertreter12 einer geographisch noch zu definierenden Verwaltungseinheit?
Wann wenn nicht zum nächstmöglichen Zeitpunkt, heute jedoch nicht?
Warum wenn nicht teils aus Tradition, teils aus einer Anzahl aktueller Anlässe3?

Die Revolution muss in unseren Köpfen stattfinden. Und zwar ausschließlich dort.

  1. Auf weibliche Formen wird zugunsten besserer Lesbarkeit verzichtet. Gemeint sind selbstverständlich auch Sozialdemokratinnen. []
  2. Keine Moslems. Bitte Gentest mitbringen. []
  3. Vgl. Anhang []

Dank Logik hab ich nicht mal mehr beim Rechthaben Recht

Es ist vielleicht untwitteresk, weil Selbstmitleid auf Twitter eine harte Währung ist, aber wenn du denkst: bisher war alles scheiße, dann wird es künftig auch so sein, beziehungsweiße noch scheisser als bisher – das nennt man „Induktionsfehler“. „Fehler“ deshalb, weil es nicht stimmt. Also die Schlussfolgerung. Etwa so: bisher hat sich njoch niemand in mich verliebt, dann wird sich auch künftig niemand in mich verlieben. Buhuhu. Oder positiv: Du wirst aus einem Flugzeug geschmissen aus 1000m Höhe und nach 999m denkst Du: Jetzt ist 999x mal nichts passiert, da wird schon kein Problem mehr auftauchen. Das ist Logik. Ganz einfache Grundlagen.

Jetzt muss natürlich, um der Logik Genüge zu tun, gesagt werden, dass man daraus, dass bisher alles Scheiße war, nicht ableiten kann, dass alles besser wird. Also es kann auch einfach so Scheiße bleiben. Oder noch scheisser werden – denn dass eine Sache nach Maßgabe der Logik nicht sicher vorhersagbar ist heißt ja nicht, dass sie nicht trotzdem einfach so eintreten kann. Ich würde sagen: Der Scheissgkeit des Lebens ist die Logik egal. Und das ist das Problem mit der Logik.

Denn das lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Wenn dann alles Scheiße wird, darfst Du hinterher nicht sagen: Ich hab‘s ja gewusst! Denn das stimmt einfach nicht (s.o.), das kannst Du gar nicht wissen vorher! Das heißt aber andererseits, dass einem auch noch die einzige Befriedigung im alles-scheiße-sein genommen wird. FUCK!

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Die Fefesierung der Diplomatie: Sechs Thesen zu Wikileaks

1. Die Reaktionen auf die Wikileaks-Enthüllungen stellen altbekannte Frontlinien wieder her

Die gute alte Frontlinie Bürger vs. „System“ (Regierung + Medien) ist wiederhergestellt, jedenfalls auf der Ebene des Klischees. Diverse PolitikerInnen (z.B. Hillary Clinton) und Journalisten (Hans Leyendecker –Au weia) eifrig dran, das nochmal allen klarzumachen und haben darin vermutlich mehr Erfolg als jeder oldschoolige linksradikale Agitator das haben könnte. Man kann geteilter Meinung sein, ob es auch in demokratischen Staaten Geheimhaltungszonen geben soll. Aber die Reaktionen vieler „westlicher“ Regierungen sprechen einfach die Sprache: Was wir hier Wichtiges tun geht das Volk nichts an. Transparenz des Regierungshandelns ist „Angriff auf die internationale Gemeinschaft“ (H. Clinton). Die teilweise drakonischen Strafforderungen von Regierungsseiten wirken alles andere als volksnah oder auch nur besonnen. Eher wie Schuldeingeständnisse und Panikreaktionen.

2. Die Wikileaks-Enthüllungen stempeln neoliberale „Transatlantiker_innen“ endgültig zu den Depp_innen der jüngeren Geschichte

Die kriecherischen so genannten „Transatlantiker_innen“ stehen nun endgültig als die Deppen der jüngeren europäischen Geschichte da. Schönstes Beispiel: die FDP, welche wie sich zeigt von den USA mittels eines Top-Informanten in den höchsten Kreisen ausspioniert wird, obwohl sie sich wie kaum eine andere Gruppierung den USA völlig willenlos andient, bzw. das seit geraumer Zeit versucht. Ironie der Geschichte: Diese Leute werden von ihren großen Vorbildern genauso wenig ernst genommen wie von allen anderen denkenden Menschen.

3. Die USA regieren nicht mehr die Welt

Die USA regieren nicht die Welt, sonst hätten die Diplomaten sicher Interessanteres zu berichten als das was man in einheimischen Medien eh nachlesen, bzw. sich selber denken kann (Merkel, Westerwelle, Niebel können nix, die Grünen sind global gesehen unwichtig und, und, und). Das zur sicheren Enttäuschung von Anti-amerika-Verschwörungstheoretikern und US-Patrioten und -Fans gleichermaßen. Deise teilen übrigens eh mehr oder weniger dasselbe Weltbild: Amerika-Hasser: USA=Weltmacht=Weltregierung=müssen wir bekämpfen und Amerika-Fans: USA=Weltmacht=Weltregierung=müssen wir uns ranschleimen.

4. Die Konzentration von Wikileaks auf die USA ist berechtigt, Kritik daran ideologisch und durchsichtig

Die Konzentration auf Enthüllungen der USA als „antiamerikanisch“ zu brandmarken ist falsch und durchsichtig ideologisch. Die Enthüllungen düpieren mindestens genauso auch Russen, Araber etc. als moralbefreite Opportunisten der Macht. Dass letztere böse sind wissen wir eh schon alle, das kann man auch überall (Springerpresse, Spiegel etc.) nachlesen oder sich vom Stammtisch seiner Wahl nacherzählen lassen. Die USA sind insofern das richtige „Zielobjekt“, weil sie ihre politischen Aktionen mit Vorliebe als Menschenfreundlichkeit ausgeben. JedeR weiß, dass das Blödsinn ist. Außenpolitik ist Machterhaltung und –Erweiterung. Abgesehen davon sind die USA immer noch globaler Hegemon (wenn auch nicht mehr so ganz stark wie einst, s. These 3). Es ist also völlig richtig, das Augenmerk besonders auf die USA zu legen.

5. Der Verbreitungsmechanismus der Leaks und deren Inhalte legen den Blick auf die Absurdität des Mediensystems frei.

Die Banalität der überwiegenden Mehrheit der Depeschen zeigt die Absurdität der globalen Informationsmaschinerie auf: Medien produzieren Meinungen -> Diplomaten
nehmen diese auf reproduzieren sie in ihren Depeschen -> Medien veröffentlichen diese Depeschen und reproduzieren damit ihre eigenen vorher produzierten Meinungen. Wir erfahren ja fast nichts wirklich Neues. Überraschend an den „Einsichten“ der Diplomaten ist ja nur, dass wir es nun nur Schwarz auf Weiß haben, dass sie nicht überraschend sind.

Dieser Pointe setzte Zeit-Online am Sonntagabend noch ein Krönchen auf: Dort durften gleich zwei JournalistInnen im Live-Ticker drüber schreiben, was sie bei Spiegel Online gerade so lasen. Ich möchte das als „Journalistische Logik des Spätkapitalismus“ etikettieren.

6. US-Diplomaten haben ein ähnliches Weltbild wie fefe

Man muss sich das mal klar machen: dass US-Diplomaten scheinbar ein ganz ähnliches Weltbild pflegen wie Verschwörungs-Guru fefe. Letzterer beömmelt sich auf seinem Blog seit der Veröffentlichung der Leaks fast ununterbrochen. Und er hat Recht!1. Ist das nicht unterhaltsam? Ich habe selten über „politische Verwicklungen“ so gelacht wie in den letzten zweieinhalb Tagen. Und es soll ja noch weiter gehen! Popcorn!

So, jetzt Musik:

Update: Au Weia, merke gerade, dass These 4 ein wenig eurozentrsich gedacht ist. Lesen ja auch nicht-Europäer_innen. Insofern wäre kompromittierendes Material über Diktaturen natürlich dringend geboten.
Die Veröffentlichung von kritischem Material über westliche Staatsapparate ist deshalb natürlich nicht weniger notwendig.

  1. Ich finde das ja eh toll, wie fefe in guten Momenten die Mythen der großen und kleinen Politik in guten Momenten einfach weiter- und umspinnt anstatt sich lang mit deren Dekonstruktion aufzuhalten. Aber das ist ein Thema, dass ich mal gesondert abhandeln möchte. []

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Wie Uli Edel mir mal die RAF schmackhaft gemacht hat

„Der Baader Meinhof Komplex“ (D, 2008 R: Uli Edel) ist ein reaktionärer Film. Eine für deutsche Verhältnisse relativ groß und nach Hollywoodregeln produzierte, fast zweieinhalbstündige Werbeanzeige für einen ordentlichen Staat. Ich will darauf gar nicht so sehr eingehen, wer an diesem Punkt anderer Meinung ist, braucht nicht weiter zu lesen, das will ich gar nicht mehr diskutieren. Interessanter ist, dass Edel genau in der Anwendung der Regeln für „ordentliches“ Filmemachen aus Versehen einen Subtext produziert, der die Idee RAF als utopisches Projekt anerkennt. Das klingt vielleicht ziemlich hanebüchen im ersten Moment, aber lass mich diese steile These erläutern.

Genau wie bei „Das Leben der Anderen“ handelt es sich beim „Baader Meinhof Komplex“ um keine Kritik eines Missstandes (sei es der RAF-Terror oder die Überwachung der DDR), sondern um Propaganda für die gegenwärtige Ordnung, für die RAF/DDR in ihrer Eigenschaft als allgemein anerkannte Schweinereien als Folie herhalten müssen. Zu Beginn des Films erfahren wir zwar noch was über hungernde Kinder in der dritten Welt und die Grausamkeiten der US-Armee in Vietnam. Aber nachdem diese Nebensächlichkeiten pflichtschuldig abgehakt sind, konzentriert man sich auf die Protagonistinnen und Protagonisten der RAF, insbesondere auf Andreas Baader (Moritz Bleibtreu). Und hier geht’s los, dass es eine reine Freude ist. Nicht lange nach Beginn des Films sehen wir, wie Baader in Italien binnen weniger Filmsekunden Horst Mahler mittels machohafter Sprüche zum Beklauen einer alten Dame animiert, Italiener als „Spaghettifresser“ beschimpft und Frauen sexistisch anbrüllt. Später wird er auf allerlei Kritik höchst aggressiv reagieren, sich über „Schwuchtelaktionen“ lustig machen und unliebsame Weggefährten brutal aus dem Weg räumen und einen erniedrigenden Stegreifvortrag gegen die Frauenemanzipation halten. Und für Leute die es dann immer noch nicht geschnallt haben, spricht, bzw. brüllt Baader noch diverse Male diverse Frauen als „Fotze“ an. Das ganze gespielt von Moritz Bleibtreu in genau dem Stil, in dem er eben alles spielt: pendelnd zwischen arrogant-genervter Coolness und unkontrolliertem Aufbrausen, immer mit dieser dauergenervten Bleibtreufresse, so dass ich zwischendurch das Gefühl hatte, in der soundsovielten Wiederholung von „Das Experiment“ oder „Solino“ gelandet zu sein. Also die Besetzung stimmt jedenfalls. Die Mitglieder der RAF, das lernen wir daraus, sind Charakterschweine und verraten sämtliche linken Ideale. Die nicht-gewalttätige Protestbewegung der damaligen Zeit kriegt auch einige wenige Szenen spendiert: Nach einer Rede von Dutschke wir „ho ho ho chi minh“ mit gereckter Faust im Chor gebrüllt. Später rottet sich eine linke Meute im Dunkeln mit Fackeln bewaffnet vorm Springer-Gebäude zusammen, Glas splittert wie Kristall in der Nacht, Druckwerk wird verbrannt. Diese Ikonografie kann nun wirklich jeder und jede Deutsche lesen.1 Kurz: BMK ist eine nicht gerade subtil verfilmte „Extremismus-These“.

Der Witz und das unabsichtlich Utopische liegt aber genau in dieser Personalisierungs-Strategien der Figur Baaders: Denn was ist das eigentlich für ein Argument „Die RAFler haben doch ihre Ideale verraten“? Legt das nicht die Lesart nahe, dass der eigentliche Geist der RAF gegen Unterdrückung und für Emanzipation war? Dass diese Ideale von Charakterschweinen wie Baader pervertiert wurden? Und dass die Ziele der RAF eigentlich richtig waren. Denn verraten kann man ja nur Ideale, die was taugen. Edel kapituliert argumentativ vor der RAF-Ideologie, ja glorifiziert sie (vermutlich 😉 ) unfreiwillig, wenn er immer aufs verkommene Individuum Baader ausweichen muss, um seine „Kritik“ am RAF-Terror zu belegen. Muss ich daraus nicht lesen, dass aufgeklärte, gütige Terroristen „guten Terror“ (Robespierre) gemacht hätten? Für die Menschen! In der neoliberalen Ideologie steht und fällt halt alles mit dem Individuellen Einsatz und der individuellen Integrität.

Ich würde aber noch eine Pointe draufsetzen: Edel bedient sich bei seiner Feindbildkonstruktion einer Technik, die man gerade von intellektuell eher einfach gestrickten Alt-68erInnen lernen konnte und kann und die vielen heutigen Linken mit gutem Grund suspekt ist. Nämlich dass die Kritik am kapitalistischen System in seiner Abstraktheit auf einzelne Personen umgemünzt wird. Auf „Bonzenschweine“ zum Beispiel – scheiß auf die „Charaktermasken“ (Marx). Angesichts der zahlreichen in den 60ern und 70ern noch aktiven Nazis in wichtigen Posten waren die Vorlagen für diese Strategie nicht schwer zu finden und sie war populistisch. Deshalb – so wohl das Kalkül Edels – funktioniert es auch für einen groß angelegten Film über die RAF. Und so sieht er sich gezwungen zumindest Baader als Person als Scheusal zu inszenieren. Als „Terroristenschwein“ eben.2
Das Problem, dass sich aufmerksamen Zuseherinnen eine andere als die intendierte Lesart aufdrängt liegt vielleicht daran, dass Edel der gesamten Linken die Legitimität abspricht und nicht nur den gewalttätigen RAFlern. Als einzige Alternative bekommt man nur die eine angeboten, die keine ist: Der Staat mit seinen Vertretern, die doch eh so verständnisvoll sind. Die die „Gründe“ des Terrors (Armut, Hunger, Unterdrückung) kennen und benennen und bekämpfen wollen. Alle Weisheit ist schon in unseren Staatsapparaten! Opposition ist also immer Mist. Wir wissen doch um die Probleme, ja es gibt sie, keiner leugnet das, wir arbeiten dran… Für die Menschen!

Gus van Sant hat das in „Milk“ geschickter gemacht: Radikale tauchen hier auch auf und dürfen ihre Argumente vortragen. Aber letztendlich lernen wir: der gemäßigte, die staatlichen Instanzen akzeptierende Weg ist der richtige und effektive – und: Lächeln und Anzug tragen – es sieht auch gut aus bei Sean Penn! Wenigstens darf Harvey Milk in seinem Film doch ein bisschen oppositionell sein. Edel schränkt die Auswahl an politisch Vernünftigem so sehr ein, dass man schon aus Trotz zu den Terroristen hält.

Bleibt noch die Frage, warum ausgerechnet im Jahr 2008 so ein Projekt mit der ersten Riege deutscher FilmschauspielerInnen aufgezogen wird? Man ist angesichts der gegenwärtigen Terrorpanik versucht, die ganz billige Erklärung heranzuziehen. Denn Rasterfahndung und Großeinsätze der Polizei nickt der Film en passant als wirksame und unproblematische Verfahren ab. Hm, nicht so überraschend, oder? Interessanter vielleicht die Frage, wieso man 144 Minuten braucht, um das zu sagen? Ich weiß es auch nicht, aber Edel war sich wohl bewusst, dass diese Länge ein ziemliches Problem sein könnte. Und deshalb schweift der Blick des Betrachters immer dann wenn die Langeweile übermächtig zu werden droht (und das ist nicht selten) über die straffen Brüste der RAF-Actiongirls oder begafft sie sie mit dicken Wummen in der Hand posierend. Lechz. Man könnte fast meinen, Baader – so wie er im Film charakterisiert wird3– hätte persönlich Regie geführt.

  1. Wo ich schon bei alternativen Lesarten bin: Ist das nicht eine Verharmlosung des 3. Reichs? []
  2. bei den Frauen klappt das nicht so, dazu sind auch die Schauspielerinnen zu sehr „Hot Chicks“ – ich komme drauf zurück – sie werden erst gegen Ende als hysterische Spinnerinnen abgearbeitet. []
  3. Diesen kleinen Gag auf Twitter konnte ich mir nicht verkneifen []

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„_innen“ ist der/die Haneke der deutschen Sprache.

Da ich im moment mit zwei längeren Blogtexten, die ich eigentlich mal bringen wollte, feststecke, dokumentiere ich hier drei Kommentare, die ich unter dem sehr guten Text Sprache und Geschlecht von Adrian Lang gemacht habe.

1.

ich finde texte, in denen kein _innen vorkommt sehr schwer und unangenehm zu lesen, weil ich es mir dann immer dazudenken muss. Das fehlende _innen unterbricht so massiv den Lesefluß.

2.

zum thema lesefluß/Ästhetik

Ist schon mal jemand in den Sinn gekommen, dass das unterbrechen des Leseflußes genau der sinn der Sache sin könnte?

Gerade weil die eingeschliffenen Foramlia texte so konsumierbar machen, und damit die normierung die darin stattfindet dadurch sichtbar gemacht werden sollen, ist es zweckmäßg, die formalästhetischen Konventionen zu verletzen.

Wie bei einem Film von Michael Haneke, in dem die gewohnten konventionen über Einstellungslängen und Kamerabewegungen, die wir hauptsächlich aus hollywood kennen, verletzt werden. damit macht er sichtbar, wie gewalt konsumierbar wird (hanekes filme beinhalten nicht mehr gewalt als ein beliebiger actionfilm, wenn überhaupt so viel).

Ich würde sagen genau das was ästheten an _innen kritisieren. Das „_innen“ ist die Haneke der Sprache!

Was @mspro meint ist in seiner formalen feststellung richtig: ist halt unpopulistisch. Aber daraus ein Sollen ableiten ist schwierig. umso weniger versteh ich warum er auf twitter schreibt, dass die Feministinnen (ausgerechnet!) damit irgendwem was vorschreiben wollen. Es sind ja die gängigen Sprachnormen die – wie der Name schon sagt – normieren.

3.

kleine Ergänzung:

Ästhetische Formen sind bekanntlich konventionell. man muss sie kennen um sie zu verstehen. wenn man zu stark von ihnen abweicht, wird man gar nicht mehr verstanden.

Fiske und Hartley stellen in “Reading television” eine recht simple Regel auf (auswendig zitiert – nicht wörtl.): The more conventionalised a programme the more popular it is.” [trifft auf geschriebene texte genauso zu wie fernsehen.]

Das mag trivial klingen, aber wenn man es auf die feministische sprache und sprachkritik anwendet, sieht man, dass eine populistische kritik konventionalisierter Formen nicht geht. da müßte man(mensch) auf genau diese formen zurückgreifen, die kritisiert werden sollen. das haut nicht hin…

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Arbeitsamt

„Wenn in einer Stadt mit 100 000 Einwohnern nur eine Person arbeitslos ist, dann ist das ihr persönliches Problem, und um ihr zu helfen, müssen wir ihren Charakter, ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten in Betracht ziehen. Wenn aber in einem Volk von 50 Millionen Beschäftigten 15 Millionen arbeitslos sind, dann bezeichnen wir das als allgemeines Geschehen, und wir wissen, daß wir eine Lösung niemals im Rahmen jedes einzelnen Individuums finden können.

Diese Erkenntnis findet sich in Charles Wright Mills‘ Klassiker „The Sociological Imagination“ von 1959 und ich wage mal zu behaupten, dass sie schon damals nicht revolutionär war. Es handelt sich um ein sehr grundsätzlich angelegetes Buch, eine Art Zwischenstand der „soziologischen Methode“ zum Ende der 1950er Jahre. Mills geht es durchaus um Individuen und ihr empfinden angesichts einer sozialen Umgebung, die die individuellen Einflußmöglichkeit bei weitem übersteigt, ohne dass dies den Individuen immer klar ist. Man/frau/sonstige1 könnte sagen, die Soziologie nach Mills hätte unter anderem die Aufgabe, Individuen zu erklären, dass ihr Unbehagen meistens nicht selbst verschuldet ist. To say the least.

Diese Einstellung wiederum ermutigt mich, hier aufzuschreiben, was ich in meiner relativ kurzen Phase (6 Monate) als Arbeitsloser Aufstocker nach dem Studium erlebt habe. Und vielleicht gelingt es mir ja, ein kleines bisschen „soziologischer Imagination“ aufzubringen und vom individuellen Einzelfall wegzukommen, ohne ihn deshalb weniger ernst zu nehmen.

Zunächst mal muss man wissen, dass ich gewissermaßen vermutlich die eher „leichte“ Klientel der Arbeitsagentur (künftig AA) sein dürfte: Guter Studienabschluss, relativ lange Liste an einschlägigen beruflichen Tätigkeiten in verschiedenen Bereichen und zur Zeit, da ich „Arbeitssuchend“ war mit unbefristeter Teilzeitbeschäftigung. Der Grund sich überhaupt Arbeitssuchend zu melden war für mich ein bisschen mehr Geld zu haben und nicht plötzlich nach Studienende die horrenden Krankenversicherungbeiträge zahlen zu müssen. Die hätten mir tatsächlich das Genick brechen können, nachdem ich mich mit meinem Nebenjobs jahrelang ganz gut durchs Studium geschlängelt habe.

Kurzfassung: Was ich bekommen habe: 220€/mtl. + Krankenversicherung vom Amt + kostenlose Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel meiner Heimatstadt. Anders gesagt: das hier wird kein Elendsbericht. Eine interessante Armutsschilderung hat die geschätzte Kollegin rawr_it aka Bodensatz HIER vorgelegt. Ich hatte ein finanziell erträgliches Auskommen auf Studentenniveau. Wobei die Damen und Herren Student_innen, die sich immer echauffieren, dass sie von Hartz-IV-Sätzen nur träumen könnten sich mal ehrlich überlegen sollten, was sie alles an Leistungen an Eltern, Großeltern etc. auslagern: Wäsche Waschen, vollversorgung an Wochenenden und in den Ferien etc. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich will erzählen, wie ich das Prozedere des Amtes und der „Coaching Agentur“ (ich hatte einen eigenen Berater!) erlebt habe.

1. Der Hartz-IV-Antrag

Die Gestaltung der Antragsformulare spricht eine deutliche Sprache: Sie spricht den/die Antragsstellerin* permanent als potenzielle Betrügerin, Sozialschmarotzer verblödete und pflichtvergessene Bittstellerin an. Man/frau/sonstige muss sich wirklich vergegenwärtigen, dass Man/frau/sonstige ja nicht Bittstellerin ist, die bangend und bettelnd auf höhere Gnaden hofft, sondern dass sie hier als Bürgerin auftritt, die ihr Recht auf Unterstützung in Anspruch nimmt. Eine einfache Tatsache, die zu überdecken sich ja ohnehin alle die größtmögliche Mühe geben. Die Agentur selbst macht da keine Ausnahme.
Das andere was auffällt, ist die Informationsgier, die das Amt via Fragebogen an den Tag legt. Alles zu Einkommens- Wohn und Familienverhältnisse. Dutzende Kontoauszüge sind beizubringen. Die wissen alle Bücher, die ich mir im Zeitraum 05/2009 – 10/2009 bei Amazon gekauft habe. Dass Man/frau/sonstige da auch was schwärzen kann habe ich erst später auf inoffiziellem Weg erfahren (und ob das sicher erlaubt ist weiß ich bis heute nicht). Man/frau/sonstige muss keine Verschwörungstheoretikerin sein um sich zu fragen, ob Man/frau/sonstige hier nicht eine ganz bewusste Überwachung einer potenziell revolutionären Klasse der Habenichtse stattfindet. Das hat mich seinerzeit zu der These veranlasst, es gäbe nur noch zwei Instanzen die tatsächlich an die proletarische Revolution glauben: Ein paar ewig gestrige Romantiker aus der DKP und die Arbeitsagentur. Die einen hoffen, die anderen fürchten.

2. Die Arbeitsagentur

Jede erzählt mehr oder weniger dieselbe Geschichte: Man/frau/sonstige vereinbart einen Termin am Nachmittag in ein paar Tagen. Dann kommt ein Anruf vom Amt, es sei kurzfristig ein Termin am nächsten oder übernächsten Tag um 8.00 Uhr morgens freigeworden. Klar, billiger Test. Frühaufsteher etc. Sarrazin etc. pp. Kennen wir.
Meine Betreuerin war nur wenige Jahre jünger als ich, von meinem Studienfach hatte sie offenbar noch nie etwas gehört, weshalb sie mich auch vorwiegend über meinen bisherigen Nebenjob befragte. Den sie zwar auch nicht verstand. Aber immerhin brachte der mir offensichtlich einen relativ hohen Stundenlohn (siehe oben). Pragmatisch gedacht, aber mir ein bisschen zu langweilig. Was ich interessant fand war, dass während der „Beratungsgespräche“ (die null gebracht haben) alle Türen offen waren und teilweise sensible Daten von Büro zu Büro gebrüllt wurden. Das war ein Punkt wo ich ärgerlich wurde, muss ich sagen. Ich war froh, wochenlang nichts von dem Laden zu hören. Jobangebote kamen eh keine, aber damit habe ich auch nicht gerechnet. Ich suchte und schrieb einige Bewerbungen. Das war okay. Irgendwann wurde ich leider doch wieder eingeladen und an eine Coaching-Agentur „a4e“ (Action for Employment) weitergereicht.

3. Begrüßung bei der Coachingagentur

Wer wissen wohl, wo „seine Steuergelder“ in Sachen Hartz 4 wirklich bleiben, der/die sollte sich mal so eine Coaching Agentur anschauen. Mein Eindruck ist: der praktische Nutzen ist mau. Da diese Agenturen mehr „Berater“ haben, ist hier eine bessere Kontrolle der Klientel möglich. Außerdem bekommt Man/frau/sonstige Briefumschläge mit Sichtfenstern für die Bewerbung. Immerhin.
Was es wirklich in sich hatte war die Begrüßungsrede (Anwesenheitspflicht, selbstredend – was lässt Man/frau/sonstige nicht alles für einen Stumpfsinn für 200€ über sich ergehen). ´Konferenzraum, ca. 25 Klient_innen, Zwei Angestellte. Einer davon ein Klischeehafter BWL-Schnösel mit hellblauem Hemd und Gelfrisur. Die Klientel: überwiegend Arbeitslose ab 40, einfache Leute ohne höhere Bildung, teilw. wenig Deutschkenntnisse, teilweise schwer gesundheitlich angeschlagen auf der suche nach einfachen Tätigkeiten: Portier, Wachdienst, Putzen. Ich als einziger Akademiker. Wie das wohl gekommen ist? Jedenfalls, BWL-Schnösel hebt an zum Eröffnungsmonolog, etwa so: „Guten Tag mein name ist [name], zu meiner Person: ich bin 31 und habe in [imponierort] Betriebswirtschaft studiert und schon während des Studiums eine kleine Firma gegründet, die schnell auf ein Budget von 40.000€ und 5 Mitarbeiter anwuchs. Mit 27 übernahm ich eine Stelle mit einem Budget von 600.000€ und 30 Mitarbeitern. Aber dann wollte ich etwas anderes machen und Menschen helfen und Beraten, so bin ich hier her gekommen.“ Etc.
Man/frau/sonstige erinnere sich: Portiere, Putzfrauen, Wachleute. Aber kann ja nicht schaden, den Leuten noch mal kurz zu vergegenwärtigen, wie Scheisse sie sind und wie geil andere Leute sind. Abgesehen davon: kann ein anfang-30-BWL-Schnösel einer durchschnittlich 15-20 Jahre älteren Klientel wirklich irgendwelche Ratschläge zur Jobsuche geben? Wer die Show ernst nimmt, muss sich ja quasi mies fühlen. Aber das ist wahrscheinlich Teil der Strategie. Oder Verblödung. Oder präzis ausgedrückt: Was soll Man/frau/sonstige in einem derart unsinnigen Job auch sonst tun?

Die ganze Form des Vortrags inkl. Der Frisur des Vortragenden sprach eine völlig andere Sprache als die demonstrative, ins esoterische gleitende Zuversichts-Botschaft, die in der Coaching-Agentur von allen Wänden strahl. Es wirkt wie eine Mischung aus Scientology und neoliberaler Motivational-Poster-Galerie. Die Story der britischen Firmengründerin ist voller Zuversicht, Menschenliebe und Tatkraft und natürlich fern jeglichen Profitinteresses. Ihr Bild hängt mehrfach an den Wänden der Agentur. Ich hätte nicht gedacht, dass es solche Klischeebuden auf europäischem Boden wirklich gibt. Umso lustiger, dass die Angestellten dort permanent Fehler gemacht haben: Kein Bargeld für die Fahrtkostenerstattung da, Bewerbungsunterlagen falsch frankiert (war deren Aufgabe) etc.

Resümee: Ideologie und Repression beim Arbeitsamt

Ich könnte jetzt noch was über die Berater-Sessions erzählen, aber das bringt wenig neuen Erkenntnisgewinn. Meine These ist ja nur die, dass es sich bei Hartz4, den Arbeits- und Coaching-Agenturen (und sicher auch bei den berüchtigen „Fortbildungen“) um Herrschaftsinstrumnente, genauer gesagt Repressions-, Ideologie- und Kontrollapparate handelt. Ich weiß, dass das keine neue Erkenntnis ist, aber es ist doch eine besonderes Erlebnis, diese unzähligen kleinen, mittleren und großen Praktiken und Rhetoriken am eigenen Leib zu erleben.

Louis Althusser hatte in seinem Aufsatz „Ideologie und ideologische Staatsapparate“ die Unterscheidung gemacht zwischen ideologischen und repressiven Staatsapparaten. Die Repressionsdimension in Hartz-IV ist offensichtlich: Kürzung/Streichung der Bezüge. Aber es kommt noch die Demütigung dazu, die immer atmosphärisch im Raum schwebt. Als Hartz-IV Bezieherin ist man/frau/sonstige unter einem permanenten Rechtfertigungsdruck. Damit sind wir schon bei der ideologischen Dimension. Für Althusser ist Ideologie keine abstrakte Ansammlung von Glaubenssätzen die mehr oder weniger wahr sind und irgendwem nutzen. Für ihn ist Ideologie in erster Linie ein Modus der Anrufung: Durch sie werden wir zu bewussten, handelnden Subjekten, wobei dem Handeln gleichzeitig enge Grenzen gezogen – je nachdem, als was wir angerufen werden. Wenn Man/frau/sonstige 2010 als „Arbeitslose_r“ angerufen wird, kommt Man/frau/sonstige in einen sehr merkwürdigen Zwiespalt aus (behaupteter)Handlungsfähigkeit bei gleichzeitigem staatlichem Zwang und einem mehr oder weniger bewußten Wissen von der Sozialstrukturellen Lage am Arbeitsmarkt – Das eingangs erwähne Zitat von Mills scheint zwar banal zu sein, für die Coaches und Berater zählt die faktische Arbeitslosenrate jedoch nichts und auch der Hartz-IV-Antragsbogen kennt nur das (zu wenig bemüht) Handelnde Individuum, das an seiner Lage selbst schuld ist und mit jedem weiteren Tag der Arbeitslosigkeit immer schuldiger wird. Die neoliberale Vorstellung vom autonomen Subjekt, das kann, wenn es nur will wird merkwürdig konterkariert von den Zwangsapparaten und Droh-Rhetoriken, die allenthalben aufgefahren werden. Ich fühlte mich mitunter an den paradoxen Ausspruch meines Mathelehrers erinnert: „Ihr seid jetzt alt genug um selber zu entscheiden was ihr tut, ALSO MACHT GEFÄLLIGST EURE HAUSAUFGABEN ODER ES SETZT WAS!“

Das Paradox ist aber auflösbar. Gerade weil der neoliberale Arbeitsmarkt für Individuen unbeeinflussbar ist, muss der Staat zu seiner Legitimation immer schwerere Geschütze auffahren. Der neoliberale Staat ist ein starker nach unten und ein schwacher nach oben. Er putzt sozusagen unten weg, was oben nicht mehr gebraucht wird. Der französische Soziologe Loic Wacquant hat in den letzten 10 Jahren nichts anderes getan, als das zu zeigen. Wie in der westlichen Welt die Unteren Klassen immer mehr zum Objekt staatlicher Repression werden mit steigenden Gefangenenquoten etc. Die Prozeduren der „sozialen Sicherung“ sind nichts anderes als die andere Seite der Gefängnisse.

  1. Da es anstrengend ist, überall genau auf geschlechtergerechte Sprache zu achten, wirft die Autorin verschiedene Varianten durcheinander und weicht im Zweifelsfall auf das generische Femininum aus. []

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I am the one and only! “Moon” als politischer Film

Ich bin nicht ganz aktuell, okay, der Film Moon von Duncan Jones ist, wenn ich mich recht erinnere, im Englischsprachigen Raum bereits 2009 angelaufen. Aber ich muss das jetzt nachtragen, da ich mir dachte: Wenn du mal einen Blog aufmachst, dann wird das unbedingt der erste Beitrag. Hat auch nicht ganz gereicht. Egal, dann halt jetzt.

Unter avancierten Filmemacher_innen innerhalb von Hollywood hat sich ein gewisser Standard der Gesellschafts- bzw. Kapitalismuskritik eingefahren, um den man dankbar sein sollte, der aber auch Magenschmerzen macht. Bekanntes Beispiel ist – in einem plakativen Sinn – Wall Street von Oliver Stone, in einem weniger plakativen Modus Jaws von Spielberg. Bei allen Unterschieden (Jaws hat einen widerlich antifeministischen Unterton, den man aber auch als „Rückzugsgefecht“ deuten könnte. Zu beiden vgl. Ryan/Kellner1*) ist diesen und vielen anderen gemein, dass sie das „Big Business America“ zugunsten eines „family Business America“ (partriarchale Familienstruktur, ick hör dir trappsen) zurückweisen. Halbe Kapitalismuskritik, guter Kapitalismus, böser Kapitalismus etc. – das kennen wir ja alle. Auf formaler Ebene werden aber keine Experimente gewagt – kurz: Es handelt sich um Populismus. Wen Wall Street doch nur etwas polemischer wäre… ich war ja enttäuscht beim anschauen vor einigen Monaten. Dass die Gier nicht funktioniert, das wissen wir ja nun auch nicht erst seit gestern. Immerhin: Der Film entstand zu Zeiten der Reaganomics und des Thatcherismus. Da mußte man schon für wenig dankbar sein.

Whatsoever. Fredric Jameson hat mal geschrieben, dass in jedem noch so plumpen Stück Propaganda eine Utopie eingebaut ist, irgendwo muss sie sein, mal mehr, mal weniger gut versteckt. Und vielleicht sind unambitionierte Geldmach-Projekte sogar die witzigeren Utopie-Träger, als ambitionierte Werke der Kritik, die dann aber doch oft an ihrer Halbherzigkeit scheitern. Und: Wenn schon dagegen, warum dann nicht gleich Das Kapital (also das Buch von Marx, nicht die Sache) verfilmen?
Ich würde behaupten: Duncan Jones hat das getan.


Auf einer Raumstation ereignen sich merkwürdige Vorfälle…

Ich setze hier mal voraus dass man/frau/sonstige den Film kennt. Den Plot kann man hier nachlesen.
Zunächst einmal legt Jones dankenswerter Weise seine Referenzen offen, Referenzen die im ambitionierten Science-Fiction-Genre ohnehin nicht ignoriert werden können. Wir sehen einen Bordcomputer, personifiziert durch einen digitalen variablen Smiley, der den Protagonisten Sam auf Schritt und Tritt begleitet und sachen sagt wie „I can’t let you go outside, Sam“ und uns schon mal beunruhigt (Referenz: 2001). Sam sieht relativ zu Beginn des Films eine Halluzinazionen einer Frau (Referenz: Solaris). Besser gebildete Cineast_innen werden sicher noch mehr entdecken. Es handelt sich also um ein schönes Beispiel für einen postmodernen Film im Sinne von Fredric Jameson: eine „blanke Parodie“, also eine ohne Humor, ein Pastiche von Versatzstücken, kein bloßes Zitat, kein Plagiat, keine Verarsche. Von allem etwas. Die Zwischenüberschrift über diesem Absatz macht vielleicht klar, dass die Möglichkeiten, einen SF-Film anzulegen, begrenzt sind, wenn man nicht ins experimentelle und damit unverständliche abdriften will. Das SF-Genre ist hochgradig konventionalisiert.2 Und Jones – der frisch von der Filmschule kommt und sein Debut abliefert – hält sich fast punktgenau an die ästhetischen Konventionen und das Genre wird auch nirgends verletzt. Dafür ist die Erzählung durchaus überraschend. Jedenfalls bleibt die Technikkritik aus, wenn sich herausstellt, dass der Computer insofern loyal zu Sam ist, als er ihn unterstützt, den Schwindel herauszufinden, als dieser sich aus seiner Ahnungslosigkeit befreien will.


Einmal Tragödie – Tausendmal Farce

Damit wären wir mittendrin. Die Story, die Sam aufgetischt bekommt, um bei Laune zu bleiben ist sozusagen das Kernstück der Arbeitsorganisation auf der Raumstation: Sie überdeckt die wahren Verhältnisse und suggeriert Sam, dass es in seinem eigenen interesse liegt, keine Fragen zu stellen und brav seinen Job zu tun. In marxistischer Terminologie: Ideologie. Sams Arbeitstage gleichen einander, das geht bis hin zu dem Song, der jeden Morgen aus dem Radiowecker tönt: „I am the one and only“ (die Kulturindustrie stützt das falsche Bewusstsein des Arbeiters.)

Als Sam durch einen blöden Webfehler in der Organisation der Arbeit seinen Klon trifft, kommt es zunächst zu einer kontraproduktiven Konkurrenzsitutaion. Die beiden gleichen arbeiten unsinnigerweise gegeneinander. Es dauert etwas, bis die beiden Solidarität entwickeln und zusammenarbeiten. Erst dann ist es ihnen überhaupt erst möglich, ihre eigentliche Situation zu erkennen. Die Realität der Raumstation sieht ja so aus, dass Sam nach Ablauf seiner 3-jährigen Dienstzeit getötet und durch einen von Tausenden Klonen – einer Art industrieller Reservearmee – ersetzt wird. Aber mehr noch. Um sich zu befreien müssen sie sich die Produktionsmittel aneignen indem sie die Route der Harvester (Referenz: Dune fällt mir gerade auf ) umprogrammieren um die Störsender zu zerstören und so den Live-Feed zur Erde ermöglichen. Damit setzen sie der Ausbeutung der Klone ein Ende und machen ihre Geschichte selber.

Natürlich ist das eine Lesart für „Eingeweihte“. Jones selber hat bevor es Film studierte einen Abschluss in Philosophie gemacht, es ist also nicht anzunehmen, dass die präsentierte Lesart ein Zufallsprodukt ist, aber darauf kommt’s eh nicht an. Das verstörende Element ist vielleicht, dass die brutale Ausbeutungsgeschichte mit „sauberer Energiegewinnung“ verknüpft wird. Das könnte man als Reaktionär deuten, aber ich glaube das wäre überzogen. Entscheidender scheint mir, dass gleich zu beginn durch einen fiktiven Werbetrailer der Betreiberfirma klar gemacht wird, dass es sich um eine Privatwirtschafts-Dystopie handelt. Nicht, dass eine Staatsappart-Dystopie irgendwie besser wäre – der Gegensatz Staat – Privatwirtschaft ist eh eine ideologische Konstruktion.
Man kann das vielleicht vergleichen mit einem ähnlich angelegten Szenario: Matrix. Dann wird vielleicht klar, um wie viel präziser Jones‘ Analyse der „Verblendungsverhältnisse“ ist, weil er nicht vom Kapitalismus abstrahiert wie die Wachowski-Brüder. Matrix wird oft eine „philosophische“ Dimension nachgesagt, was aber im Grunde nichts anderes benennt, als eben diese Abstraktion von Machtverhältnissen: Sind wir nicht alle irgendwie gefangen? – Nein, nicht nur „irgendwie“ und nein, nicht alle gleichermaßen.

So, und jetzt Musik.

  1. Douglas Kellner/ Michael Ryan (1990): Camera politica: the politics and ideology of contemporary Hollywood film. Indiana Univ. Press []
  2. Der Satz ist ein hübscher Pleonasmus, bringt doch der Begriff „Genre“ nichts anderes als einen hohen Grad der Konventionalisierung zum Ausdruck []

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Rassifizierung und Individualisierung von Geschlechterungleichheit. Der Fall Kristina Schröder

Man muß Figuren wie Kristina Schröder im Grunde dankbar sein. Sie nehmen gesellschaftlich relevante Diskurse in sich auf und geben sie pointiert wieder. Das tun sie natürlich aus populistischen Gründen. Aber der Vorteil für mich ist: ich muß hier (wie schon im letzten Blogbeitrag) nicht umfangreiche Materialsammlungen anlegen um meine These zu illustrieren, es reichen einige Zitate der Ministerin. Es geht also nicht ausschließlich um das, was in der Birne von der Ministerin da so rumspukt – und das wär allein schon gruselig genug – sondern um ein gesellschaftlich verbreitetes Muster von Argumentationen, die bestimmte Wirklichkeitsvorstellungen zum Ausdruck bringen. Um Diskurse anders gesagt, und die sind bekanntlich überindividuell. Schröder ist also ein Beispiel, nicht die Ursache. Aber genug der methodologischen Schwafelei.

Ich möchte einfach zeigen, wie in den Äußerungen der Ministerin zu Fragen des Sexismus und der Geschlechterungleichheit eine hegemoniale Deutung zum Ausdruck kommt, die a) falsch ist und b) bestimmten Herrschafts- oder besser Dominanzinteressen dient. Also folglich ideologisch ist. Zu ihren Äußerungen im Bezug auf die Frauenbewegung etc. ist bereits sehr viel Richtiges geschrieben worden (bei der Mädchenmannschaft zum Beispiel), dazu kann ich nichts mehr hinzufügen (mein Kurzkommentar: hier.)

Rassifizierung

Mit Rassifizierung meine ich, dass Geschlechterungleichheit unterschiedlich gedeutet wird, je nach dem, wem sie als Urheber zugeschrieben wird.
Die erste Deutung, die Schröder vor wenigen Wochen zum Ausdruck gebracht hat, war die eines migrantischen, genauer gesagt islamischen machismo. Stichwort: „Deutsche Schlampe“ in rechtspopulistischer (bis –radikaler) Verknüpfung mit dem angeblichen Tatbestand der „Deutschenfeindlichkeit“. Ich denke wir erinnern uns alle.

Im unlängst veröffentlichten Spiegel-Interview mit Schröder geht es wieder um seinen sexistischen Tatbestand. Nämlich, dass Frauen weniger verdienen als Männer. HIER! Nicht in Islamien oder sonstwo. Deutscher Machismo ist da am Werk, müßte sie folgerichtig unterstellen. Die westlichen Werte, die Frauen gegenüber Männern benachteiligen – wir müssen sie bekämpfen. Oder? Nicht ganz:

Gleichzeitig wies sie den Frauen eine Mitschuld daran zu, dass sie oft weniger verdienen als Männer. „Die Wahrheit sieht doch so aus: Viele Frauen studieren gern Germanistik und Geisteswissenschaften, Männer dagegen Elektrotechnik – und das hat eben auch Konsequenzen beim Gehalt. Wir können den Unternehmen nicht verbieten, Elektrotechniker besser zu bezahlen als Germanisten.“
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,727648,00.html

Ich fasse zusammen: Sexismus im Islam: Kultur ist schuld. Sexismus in Europa: Frau ist selber schuld.

Die Ministerin ist in diesem Punkt übrigens näher an ihrer vermeintlichen Gegnerin Alice Schwarzer als sie selbst das vielleicht glaubt (jedenfalls als sie es darstellt.) Und das nicht erst seit gestern. Existiert doch in der „Emma“ seit geraumer Zeit eine Rubrik des Titels „Pascha des Monats“, in der durchaus einheimische Sexismen irgendwie als „Fremd“, und zwar orientalisch etikettiert werden. Der Subtext: Die schlimmen Sachen hier, die sind gar nicht wirklich von hier. Eigentlich ist es hier richtig und wenn es hier falsch ist, ist es wie woanders.
Das war die Rassifizierung. Die letzte Behauptung über die Frauen, die einfach falsch studieren, bringt uns zum zweiten Punkt.

Individualisierung

Dabei wäre es doch hier naheliegend, sich mal zu fragen woran das liegen könnte, dass Frauen überwiegend Studienfächer wählen, die weniger Geld einbringen. Oder aber andersrum: Wieso das, was Frauen studieren anschließend schlechter bezahlt wird.

Wenn es eine signifikant höhere Männerquote in technischen und naturwissenschaftlichen, und eine signifikant höhere Frauenquote in sozial- und geisteswissenschaftlichen Studienrichtungen gibt, wovon wir jetzt hier mal ausgehen können auch ohne genaue Zahlen, wird es schwer, die These von der rein individuellen Entscheidung aufrechtzuerhalten. Signifikante quantitative Unterschiede in der Fächerwahl sind offensichtlich ein sozialstrukturelles Phänomen und es wäre unplausibel, solches auf „individuelle Entscheidung“ letztgültig zurückzuführen. Um nicht zu sagen: esoterisch. Aber so ein Fehler kann einem schon mal passieren. Schließlich ist Schröder ja keine promovierte Soziologin. Beziehungsweise: au weia.

Wenn man jetzt noch in Betracht zieht, dass mindestens 80% der Soziologie-Lehrstühle in Deutschland mit Männern besetzt sind, aber mehr als die Hälfte der Studienanfängerinnen Frauen sind. Wenn man sich historisch klar macht, dass Berufsbilder Geschlecht und Prestige wechseln können. Zum Beispiel, dass Computerprogrammierin anfangs ein wenig angesehener Frauenberuf war, der dann im Ansehen stieg, während in derselben Zeit Männer ihre Kolleginnen verdrängten. Oder der angesehene Sekrätersberuf, der mit seiner „verweiblichung“ massiv an Ansehen verlor (man muss nur mal Kafka lesen um sich klar zu machen, wer da die Sekretäre waren und welche Position sie hatten). Wenn man sich also das alles überlegt, dann sollte jedenfalls eins klar werden: dass „individuelle Entscheidung“ hier überhaupt keine sinnvolle Kategorie sein kann. Sie erklärt gar nichts auf der Ebene der Sozialstruktur, nicht mal ein klitzekleines bisschen, sondern ist umgekehrt selber zu erklärende Variable. Berufs- und Studienwahl haben – das ist die äußerst banale Erkenntnis – vor allem was mit der kulturellen Ordnung und Sozialstruktur zu tun.

Und wenn man diese eigentlich sehr banale Tatsache, die ich hier übertrieben wortreich – wofür ich mich entschuldigen möchte – beschrieben habe, noch dazu als gelernte Soziologin in Ministerposten, ignoriert, dann kann das nur einen Grund haben: einen ideologischen. Rassifizierung und Individualisierung helfen jedenfalls, die Schuld an einem Zustand, den offiziell tatsächlich keiner haben will, abzuschieben auf die Betroffenen einerseits und irgendwelche fremden andererseits und geben eine Begründung, diesen Zustand nicht zu ändern. Schließlich haben wir es ja auch mit einer konservativen Politikerin zu tun.

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Normale und arabische Kriminalität. Anmerkungen zu einem Diskursfragment.

Jörg Diehl – Autor bei Spiegel Online – schafft es in nur wenigen Absätzen alle, aber auch alle Buzzwords der Ausländer-Raus-„Debatte“ der letzten paar Jahre zu versammeln. Natürlich meint er das gar nicht böse, schon gar nicht ausländerfeindlich! Er hat ja ein ehrenwertes Anliegen: Es geht ihm um die um sich greifende organisierte Kriminalität, organisierte arabische Großfamilienkriminalität, genauer gesagt. Da der Zweck alle Mittel heiligt greift er beherzt in die sprachliche Trickkiste der „Integrationsdebatte“ und stellt heraus: Es gibt Kriminalität und es gibt arabische Kriminalität. Und die kann man scheinbar nur bekämpfen, wenn man sie als ethnische Kriminalität wahrnimmt.

Aber der Reihe nach. Hier mal meine persönliche, völlig subjektive, suggestive Auswahl der Highlights des Diehl’schen Artikels mit dem Titel „Arabische Großfamilien. Staat kuscht vor kriminellen Clans“ vom 26.10.2010:

Brüder einer berüchtigten kurdisch-arabischen Sippe

…gerieten Mohammed und Halil M. in Rage. Sie schrien, fluchten, beleidigten eine Beamtin und gingen laut Polizei auch auf einen Wachmann los
Sie wüssten, wo der Wachmann wohne, sagten sie den Gesetzeshütern ganz unverblümt, sie kennten seine Familie und, so schilderten es die Beamten, sie würden ihn fertigmachen, umbringen.

Mafiöse Ausländerclans mit Tausenden Mitgliedern haben sich unter Ausnutzung rechtlicher Schlupflöcher, sozialer Leistungen und internationaler Kontakte zu dominierenden Größen der Organisierten Kriminalität entwickelt.

Polizisten fürchten sich vor ihnen

kriminelle Parallelgesellschaft

nicht mehr zu kontrollierenden Ethno-Gruppierungen

Großfamilie M.

das Scheitern jeglicher Integrationsbemühungen

In falsch verstandener Toleranz hätten die Gerichte das Problem mit ihrer fortwährenden Nachsichtigkeit noch erheblich verschlimmert

Ethnisch abgeschottete Subkulturen

Die Zerschlagung solcher krimineller Strukturen werde „nur noch in Teilbereichen“ möglich sein.

Überwiegend eingewandert in den achtziger Jahren als angebliche Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Libanon haben sie sich vor allem in Berlin, Bremen und Essen angesiedelt.

Nur in Ausnahmefällen können die vielfach offiziell Staatenlosen abgeschoben werden.

„Und selbst wenn eine Ausweisung möglich wäre, geschieht sie doch so gut wie nie“, klagt ein Ermittler. „Das können Sie komplett knicken.“

Clans (passim)

Sippe (passim)

Seither ist nicht viel passiert.

Vier Polizisten, Hunderte Straftäter

…ob und wie ein Kind vor der kriminellen Karriere in seinem Clan bewahrt werden könnte, lacht ein Ermittler bloß: „Das gibt es einfach nicht.“

…Gesuchter weiter Sozialleistungen kassiere

Zu den Bremer Sippen zählen fast 800 Kinder

die Behörde der Polizei aber aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht sage, wo der Betreffende sich aufhalte.

Vernetzung der Behörden funktioniert nicht. Wir lassen die Kriminellen viel zu häufig gewähren

Die betrachten uns als Beutegesellschaft, als geborene Opfer und Verlierer

…scheint die Zahl der Beteiligten [Verdächtigen] zu wachsen

…alarmierende Phänomen der Ethno-Clans

Bevor die Mütter das letzte eigene Kind gebären, haben sie bereits Enkelkinder. Deshalb vergrößert sich ein Clan in atemberaubender Geschwindigkeit.

Man bezieht staatliche Transferleistungen und Kindergeld.

Die weiblichen Familienangehörigen stehlen vorwiegend und die männlichen begehen Straftaten aus allen Bereichen des Strafgesetzbuchs

Die Kinder wachsen weitgehend unkontrolliert in diesen kriminellen Strukturen

gefürchteten arabischen Großfamilien

Selbstbedienungsmentalität

ehrgeizige Straßenräuber mit Migrationshintergrund

Kampf gegen die Clans längst verloren

„Sonst werden wir uns irgendwann noch sehr wundern.“

bürgerkriegsähnliche Zuständen

Öffentlichkeit… ließ ihn im Stich.

(Anm.: Manches davon ist Originaltext von Diehl, manches sind Zitate. Ich unterscheide das hier nicht, da es darum geht, wie ein Diskurs konstruiert wird. Es geht mir um die Montage der Buzzwords, denn eine Gegenposition kommt im Text ohnehin nicht zum Wort, es wird alles vom Autor zu einer These zusammengerührt.)

Man erkennt schnell die Leitplanken dieses Diskurses:

– Die Familie wird als Spezialität der arabischen Kriminellenszene hervorgehoben.

– Damit in Verbindung steht eine kaum getarnte Biologisierung:

Eine Familie, Vater, Mutter, 10 bis 15 Kinder, in Einzelfällen bis zu 19 Kinder, wandert aus dem Libanon zu. Einige Kinder werden noch in der ‚Heimat‘ geboren, andere in Deutschland. Bevor die Mütter das letzte eigene Kind gebären, haben sie bereits Enkelkinder. Deshalb vergrößert sich ein Clan in atemberaubender Geschwindigkeit.

– Die Ausnutzung „unseres“ Sozialstaats, womit die wir-gegen-die-Front aufgemacht und der/die Leser_in als „einer von uns“ angerufen wird. Das „wir“, so läßt sich aus der durchgängigen Ethnisierung schließen, sind aber nicht „die Rechtschaffenen“, sondern vielmehr „die rechtschaffenen Biodeutschen“ (denn Leute mit Migrationshintergrund mit deutschem Pass zählen nicht! Hier geboren worden zu sein und/oder einen deutschen Pass zu haben sind viel mehr Teil einer Strategie.) Dieses Motiv geistert schon seit mindestens 20 Jahren durch die bundesrepublikanische Diskurslandschaft, völlig entkoppelt von der tatsächlichen Zahl der migrantischen Sozialleistung/Asyl-Empfangenden. Lange Zeit war das eine der prominentesten Signaturen eines rechtsradikalen Diskurses. Das scheint Geschichte.

– Verschiedene bürgerrechtliche Anliegen werden verknüpft und gemeinsam als Ausländerkriminalitäts-Katalysatoren diffamiert, als da wären: Datenschutz, Gleichbehandlung von Personen mit und ohne Migrationshintergrund, bzw. mit/ohne deutscher Staatsangehörigkeit. Bemühungen um „Integration“ ohne Peitsche. Es ergibt sich die Forderung nach fundamentaler Ungleichbehandlung.

– Dabei reproduziert Diehl das von Broder so prominent eingeführte wechseln zwischen pseudo-Selbstbezichtigung („Wir sind selber schuld, weil zu tolerant“) und unhinterfragter Fremdbezichtigung. Denn die Frage ist ja nicht: wie schlimm sind die Araber – dass sie absolut schlimm sind wird immer schon unterstellt. Es geht immer nur um die Forderung nach mehr Härte. Wir sind nicht hart genug, das ist unser einziger Fehler. In Wirklichkeit dient diese vorgeschobene Suche nach dem eigenen Fehler dazu, den Fehler der anderen noch größer wirken zu lassen: Wir waren ja sooo nett! Aber die haben uns nur die ausgestreckte Hand aufgeschlitzt!

– Für den Diskurs um Ausländer generell unverzichtbar scheint die Dimension der Reproduktion, mal mit mehr, mal weniger latenter Pornofantasie1 im Hintergrund. Stets wird die „atemberaubende“ (Heisig) Reproduktionsrate dieser Fremden betont (dass es in der Breite der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ganz anders aussieht ist eher als „Geheimwissen“ einzustufen).

– Kirsten Heisig als Symbolfigur: Heisigs Buch wird als Beleg zitiert. Der Abschnitt bringt sämtliche Symboliken zusammen von Kriminalität bis Sozialabzocke. Woimmer Heisig zitiert wird, darf der Hinweis nicht fehlen, dass sie bereits tot ist. Ich wage mal die These, dass das verschweigen ihres natürlichen Todes subtil die für die „Integrationsdebatte“ typischen Theorien über die „Gutmenschenverschwörung“ aufruft. So „mutig“ und so früh verstorben – wirklich reiner Zufall? Wirklich ein natürlicher Tod? Den Text durchzieht insbesondere gegen Ende eine Anklage gegen die zu weichen Deutschen. Gegen übertoleranz. Der Verweis auf die „Diktatur der Gutmenschen“ kommt hier durchaus zur Entfaltung, allerdings natürlich in sehr viel gewählteren Worten als das in Haudrauf-Blogs wie PI-News der Fall ist. Immerhin gibt es einen „mehrfach entschärften Bericht“ zu zitieren. Warum der wohl mehrfach entschärft wurde? Über den Diskurs informierte Leser_innen dürften keine Schwierigkeiten haben, dies Chiffre zu entziffern: Man darf das nicht so sagen!

– Obwohl Diehl eine etwas gehobene Sprache im Vergleich zum Referenzmedium PI-News pfelgt, greift er doch auf parolenhaftes Vokabular zurück: kassieren, Sippe, Machenschaften usw. Insbesondere die Formulierung „Sozialleistungen kassieren“ schließt ungebrochen an rechtspopulistische und -radikale Diktionen an. Die Pointe des Textes ist natürlich, dass das ernste Sujet – organisiertes Verbrechen ist ein ernstes Problem, ohne Zweifel – genau dieses symbolhafte Kommentar aus seiner rechten Heimat herauslöst. Indem es Verknüpft wird mit einem echten Problem wird es schwerer angreifbar. Wer würde schon sagen, organisiertes Verbrechen sei harmlos?

– Wie in den bürgerlichen Medien üblich werden Polizist_innen und Jurist_innen als neutrale Informant_innen behandelt. Dadurch entsteht ein „Sogar“-Effekt: Sogar diese vertrauenswürdigen, neutralen Leute sagen, dass mit den Arabern nicht stimmt!

– Interessant auch die Verstichwortung des Textes durch Spon:

* Integration
* Multikulturelle Gesellschaft
* Kirsten Heisig
* Polizei

Das Stichwort „Multikulturelle Gesellschaft“ erinnert uns daran:

1. Dass die „Vermischung“ von Kulturen immer Probleme mit sich bringt – Das ist jedenfalls das als neutrale Gesetzmäßigkeit vorgetragene Mantra der bürgerlichen Mitte.

2. Die Kriminalität, die ja das eigentliche Thema des Textes ist bzw. sein könnte, hat was mit der anderen Kultur zu tun.

Bleibt die Frage, warum man die einen („arabischen“) Kriminellen von rechtstaatlicher Seite aus anders behandeln muß, als andere („deutsche“). Im Text findet sich auch nach mehrmaligen lesen keine schlüssige Begründung. Nur: Sie sind anders – als Behauptung. Scheinbar dient der Hinweis auf die Clanförmigkeit und die hohe Reproduktion als Beleg für das qualitative Anderssein der kriminellen Handlungen. Logisch ist dieser Schluss nicht, aber hoch suggestiv. Die Suggestion wird unterfüttert mit etablierten Kollektivsymboliken über Migranten: Sozialleistungen abzocken – zu weiche Behörden – Übertoleranz aus Angst, als fremdfenfeindlich zu gelten.

Was mich an dem Text so überrascht hat, dass ich meine Faulheit überwunden und einen Blogpost geschrieben habe, war, dass diese enorme Häufung von stigmatisierenden Buzzwords in einem Medium der „Mitte“ für mein Empfinden bislang so nicht stattgefunden hat – Brodertexte vielleicht mal ausgenommen.2 Es wird auch keine „Absicherung“ betrieben in dem Sinn, dass irgendwo noch ein Alibi-Absatz über tatsächliche Fehler in deutschen Integrationspolitik eingeräumt werden. Außerdem fällt die durchgängige, durch nichts gebrochene Betonung der ethnischen Dimension auf.
Und genau daran scheitert der Text auch. Ethnizität wird als ausschlaggebende Dimension des Problems eingeführt. Diese Konstruktion muss sich allerdings selbst tragen und kann sich nur auf Suggestionen stützen. Und das hält einer genauen Lektüre nicht stand.

P.S.: Ein kleines Kuckucksei hat man dem Autor mit dem illustrierenden Bild ins Nest gelegt. Wir sehen jede Menge Polizisten und Polizeifahrzeuge, aber nur zwei angebliche Araber. Man vergleiche das mit der weichheit-suggerierenden Zwischenüberschrift „Vier Polizisten, Hunderte Straftäter“. Noch dazu ist die Bildunterschrift in sich widersprüchlich: „Polizeiaktion gegen Mitglieder arabischer Großfamilien in Berlin: ‚Das können Sie knicken'“. Wenn man Polizeiaktionen „knicken“ kann, was sehen wir dann auf dem Bild? Und was will uns der erste Halbsatz der Bildunterschrift sagen?

  1. Angesichts der Betonung der angeblichen enormen Reproduktionsraten dieser Leute erlaub ich mir die These, dass in den Köpfen von Leuten wie Sarrazin ein permanenter Araber/Türkenporno läuft. Zu pornografischen Dimension des Rassismus gibt es hier bei Rhizom was zu lesen. []
  2. Wenngleich ich keinen Rechtsruck feststellen würde. Die Disposition für diese Art des Diskurses war schon lange da. Die Inhalte waren auch da. Nur die unbekümmertheit der Formulierung ist – zumindest ein bisschen – neu. []

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